Старонемецкий эпос - Песнь о Нибелунгах
23. Abenteuer
Wie Kriemhilde ihr Leid zu rächen gedachte
Unter hohen Ehren, das ist alles wahr,Wohnten sie beisammen bis in das siebte Jahr.Die Königin derweile gebar ein Söhnelein,Worüber König Etzel nicht mochte fröhlicher sein. (1432)
Bis sie es erlangte ließ sie nicht ab davon,Die Taufe musst empfangen König Etzels SohnNach der Christen Sitte: Ortlieb ward er genannt.Das brachte große Freude über Etzels ganzes Land. (1433)
Der Zucht, deren jemals zuvor Frau Helke pflag,Befliss sich Kriemhilde darauf gar manchen Tag.Es lehrte sie die Sitte Herrat die fremde Maid;Dei trug noch in der Stille um Helke großes Herzeleid. (1434)
Vor Heimischen und Fremden war sie wohlbekannt;Es hieß, so gut und milde hab eines Königs LandNie eine Frau besessen: Das hielten sie für wahr;Des rühmten sie die Heunen bis an das dreizehnte Jahr. (1435)
Nun wusste sie, dass niemand ihr feindlich sei gesinnt,Wie heut noch Königinnen der Fürsten Recken sind,Und dass sie täglich mochte zwölf Könge vor sich sehn.Sie vergaß auch nicht des Leides, das ihr zu Hause geschehn. (1436)
Sie gedacht auch noch der Ehren in Nibelungenland,Die man ihr geboten und die ihr Hagens HandMit Siegfriedens Tode für alle Zeit benommen,Und ob ihm das wohl jemals noch zu Leide möchte kommen. (1437)
“Es geschäh, wenn ich den Degen brächt in dieses Land.”Ihr träumte wohl, ihr ginge gar manchmal an der HandGeiselher ihr Bruder; sie küsst' ihn allezeitIn ihrem sanften Schlafe: Das ward zu schmerzlichem Leid. (1438)
Ich glaube dass Kriemhilden der böse Feind es riet,Dass sie in guter Freundschaft von König Gunthern schied,Den sie zur Sühne küsste in Burgondenland.Aufs neu begann zu triefen von heißen Tränen ihr Gewand. (1439)
Es lag ihr an dem Herzen, beides, spät und früh,Wie man mit Widerstreben sie doch gebracht dazu,Dass sie minnen musste einen heidnischen Mann:Die Not, die hatt ihr Hagen und König Gunther angetan. (1440)
Es schwand ihr aus dem Herzen selten dieser Mut.Sie gedacht: “Ich bin so mächtig und habe solches Gut,Ich mag wohl meinen Feinden noch schaffen Herzeleid:Dazu wär ich dem Hagen von Tronje gerne bereit. (1441)
“Nach den Getreuen jammert noch oft die Seele mein:Doch die mir Leides taten, möcht ich bei denen sein,So würde wohl gerochen meines Freundes Leib!Kaum kann ich es erwarten,” also sprach das Königsweib. (1442)
Hold waren ihr die Degen all in des Königs Bann,Die Recken Kriemhildens; das war wohlgetan.Ihr Kämmerer war Eckwart: Drum war er gern gesehn:Kriemhildens Willen konnte niemand widerstehn. (1443)
Sie gedacht auch alle Tage: “Ich will den König bitten,Er solle mir vergönnen mit gütlichen Sitten,Dass man meine Freunde lädt in der Heunen Land.”Den argen Willen niemand an der Königin erfand. (1444)
Als eines Nachts Kriemhilde bei dem König lag,Umfangen mit den Armen hielt er sie, wie er pflagDer edeln Frau zu kosen; sie war ihm wie sein Leib:Da gedachte ihrer Feinde dieses waidliche Weib. (1445)
Sie sprach zu dem Könige: “Viel lieber Herre mein,Ich wollt euch gerne bitten, möcht es mit Hulden sein,Dass ihr mich sehen ließet, ob ich verdient den Sold,Dass ihr auch meinen Freunden wäret inniglich hold.” (1446)
Da sprach der reiche König, arglos war sein Mut:“Des sollt ihr inne werden: Was man den Recken tutLiebes und Gutes, das nehm ich freudig an,Da ich von Weibesminne nie bessre Freunde gewann.” (1447)
Da sprach die Königin wieder: “Euch ist das wohlbewusst,Ich habe hohe Freunde, drum schmerzt mich der Verlust,Dass mich die so selten besuchen hier im Land:Ich bin bei allen Leuten nur als verwaiset bekannt.” (1448)
Da sprach der König Etzel: “Viel liebe Fraue mein,Däucht es sie nicht zu ferne, so lüd ich überrheinDie ihr wünscht zu sehen hieher in dieses Land.”Da freute sich die Fraue, als ihr sein Wille ward bekannt. (1449)
Sie sprach: “Wollt ihr mir Treue leisten, Herre mein,So sollt ihr Boten senden nach Wormes über Rhein:So entbiet ich meinen Freunden meinen Sinn und Mut:So kommen uns zu Lande viel Ritter edel und gut.” (1450)
Er sprach: “Wenn ihr gebietet, so lass ich es geschehn.Ihr könntet eure Freunde nicht so gerne sehn,Der edeln Ute Kinder, als ich sie sähe gern:Es tut mir innig wehe, dass sie so fremd uns sind und fern. (1451)
“Wenn es dir wohl gefiele, viel liebe Fraue mein,So wollt ich gerne senden zu den Freunden deinMeine Fiedelspieler nach Burgondenland.”Die guten Spielleute, die brachte man gleich zur Hand. (1452)
Sie kamen hin in Eile, wo sie den König sahnBei der Köngin sitzen. Da sagt' er ihnen an,Sie sollten Boten werden nach Burgondenland.Auch ließ er ihnen schaffen schönes, herrliches Gewand. (1453)
Vierundzwanzig Recken schuf man da das Kleid.Ihnen ward auch von dem König gegeben der Bescheid,Wie sie laden sollten Gunthern und seinen Bann.Frau Kriemhild mit ihnen geheim zu sprechen begann. (1454)
Da sprach der reiche König: “Nun höret, was ihr tut:Ich entbiete meinen Freunden alles was lieb und gut,Und lade sie zu fahren hieher in dieses Land:Ich habe wohl noch selten so liebe Gäste gekannt. (1455)
Und wenn sie meinen Willen gesonnen sind zu tun,Kriemhilds Verwandte, so mögen sie nicht ruhnUnd diesen Sommer kommen zu meiner Lustbarkeit,Da mir so hohe Wonne meiner Schwäger Freundschaft beut.” (1456)
Da sprach der Fiedelspieler, der stolze Schwemmelein:“Wann soll das Hofgelage in diesen Landen sein?Dass wirs euern Freunden am Rheine mögen sagen.”Da sprach der König Etzel: “In der nächsten Sonnenwende Tagen.” (1457)
“Wir tun, was ihr gebietet,” sprach da Werbelein.Kriemhilde ließ die Boten zu ihrem KämmerleinFühren in der Stille und besprach mit ihnen da,Wodurch noch manchem Degen bald wenig Liebes geschah. (1458)
Sie sprach zu beiden Boten: “Nun verdient ihr großes Gut,Wenn ihr mit rechter Treue meinen Willen tutUnd sagt was ich entbiete heim in unser Land:Ich mach euch reich an Gute und geb euch herrlich Gewand. (1459)
“Wen ihr von meinen Freunden immer möget sehn,Zu Wormes an dem Rheine, so sollt ihrs nie gestehn,Dass ihr mich immer sahet betrübt in meinem Mut;Und entbietet meine Grüße diesen Helden kühn und gut. (1460)
Bittet sie zu leisten was der König entbot,Und mich dadurch zu scheiden von aller meiner Not.Ich scheine vor den Heunen freundelos zu sein;Wenn ich ein Ritter wäre, ich käme manchmal an den Rhein. (1461)
Und sagt auch Gernoten, dem edeln Bruder mein,Dass ihm auf Erden niemand holder möge sein:Bittet, dass er mir bringe hieher in dieses LandUnsre besten Freunde: So wird uns Ehre bekannt. (1462)
Und sagt auch Geiselheren, ich mahn ihn daran,Dass ich mit seinem Willen nie ein Leid gewann:Drum sähn ihn hier im Lande gern die Augen mein;Ich hätt ihn hier gar gerne um die große Treue sein. (1463)
Und sagt auch meiner Mutter, was mir für Ehr geschieht;Und wenn von Tronje Hagen der Reise sich entzieht,Wer ihnen zeigen solle die Straßen durch das Land?Die Wege zu den Heunen sind ihm von Jugend auf bekannt.” (1464)
Es wunderte die Boten, warum das möge sein,Dass sie diesen Hagen von Tronje nicht am RheinWeilen lassen sollten; bald ward es ihnen Leid:Durch ihn war manchem Degen mit dem grimmen Tode gedräut. (1465)
Botenbrief und Siegel ward ihnen nun gegeben;Sie fuhren reich an Gute und mochten herrlich leben.Urlaub gab ihnen Etzel und sein schönes Weib,Ihnen war auch wohl gezieret mit gutem Staate der Leib. (1466)
24. Abenteuer
Wie Werbel und Schwemmel die Botschaft brachten
Als Etzel seine Boten an den Rhein gesandt,Da flogen diese Mären geschwind von Land zu Land:Mit schnellen Abgesandten lud er und entbotZu seinem Hofgelage; da holte mancher sich den Tod. (1467)
Die Boten ritten hinnen aus der Heunen LandZu den Burgonden, wohin man sie gesandtZu drei edeln Königen und ihrem Heeresbann,Dass sie zu Etzeln kämen: Zu eilen hub man da an. (1468)
Zu Bechlaren kamen die Boten angeritten;Ihnen diente man da gerne, dass sie nicht Mangel litten.Ihre Grüße sandten Rüdger und GotelindDen Degen an dem Rheine und auch dieser Beiden Kind. (1469)
Sie ließen ohne Gaben sie nicht von hinnen gehn,Dass desto sanfter führen die in Etzels Lehn.Uten und ihren Söhnen entbot da Rüdiger,Es wär kein andrer Markgraf ihnen so gewogen mehr. (1470)
Sie entboten auch Brunhilden alles was lieb und gut,Ihre stete Treue und dienstbereiten Mut.Da wollten nach der Rede die Boten weiter ziehn;Gott bat sie zu bewahren Gotlind die edle Markgräfin. (1471)
Eh noch die Boten völlig durchzogen Bayerland,Werbelein der schnelle den guten Bischof fand:Was der seinen Freunden hin an den Rhein entbotWeiß ich nicht zu sagen; von seinem Golde so rot (1472)
Schenkt' er den Boten Gaben. Als sie wollten ziehn,“Sollt ich sie bei mir schauen,” sprach Bischof Pilgerin,“So wär mir wohl zu Mute, die Schwestersöhne mein:Mag ich doch selber selten zu ihnen kommen an den Rhein.” (1473)
Was sie für Wege fuhren vom Rheine durch das LandKann ich euch nicht bescheiden. Ihr Silber und GewandBlieb ihnen unbenommen, man scheute Etzels Zorn:So vielgewaltig herrschte der edle König wohlgeborn. (1474)
Binnen zwölf Tagen kamen sie an den RheinZu Wormes in dem Lande, Werbel und Schwemmelein;Da sagte mans dem König und seinen Degen an,Es kämen fremde Boten: Gunther zu fragen begann. (1475)
Da sprach der Vogt vom Rheine: “Wer macht mir nun bekanntVon wannen diese Fremden ritten in das Land?”Das konnte niemand sagen bis die Boten sahHagen von Tronje: Zu dem König sprach er da: (1476)
“Man bringt uns neues heute, dafür will ich euch stehn:Etzels Spielleute, die hab ich hier gesehn.Die hat eure Schwester gesendet an den Rhein:Ihrer Herren willen sollen sie willkommen sein.” (1477)
Sie ritten unverweilt zu dem Saal heran:So herrlich fuhr wohl nimmer eines Fürsten Fiedelmann.Des Königs Ingesinde empfing sie gleich zur Hand;Herberge gab man ihnen und bewahrte ihr Gewand. (1478)
Ihre Reisekleider waren reich und wohlgetan,Sie mochten wohl mit Ehren sich so dem König nahn;Doch wollten sie nicht länger sie am Hofe tragen:“Ob jemand sie begehre?”, das ließen die Boten fragen. (1479)
Da waren auch zur Stunde Leute bei der Hand,Die sie gerne nahmen: Denen wurden sie gesandt.Da schmückten sich die Boten mit besserm Gewand,Wie es Königsboten zu tragen schön und herrlich stand. (1480)
Da ging mit Urlaube hin wo der König saßEtzels Ingesinde: Gerne sah man das.Herr Hagen den Boten mit Zucht entgegen sprang,Sie minniglich begrüßend: Das sagten ihm die Knappen Dank. (1481)
Da hub er um die Kunde sie zu befragen an,Wie Etzel sich gehabe und die ihm untertan.Da sprach der Fiedelspieler: “Nie besser stands im Land,Das Volk war niemals froher, das sei euch wahrlich bekannt.” (1482)
Sie gingen zu dem Wirte. Der Königssaal war voll;Da empfing man die Gäste, wie man immer sollBoten freundlich grüßen aus fremder Könge Land.Werbel der Recken viel bei König Gunthern fand. (1483)
Der König wohlgezogen zu grüßen sie begann:“Willkommen, beide Fiedler in König Etzels BannMit euern Heergesellen: Weshalb hat euch gesandtEtzel der reiche zu der Burgonden Land?” (1484)
Sie neigten sich dem Könige. Da sprach Werbelein:“Dir entbietet holde Dienste der liebe Herre mein,Und Kriemhild deine Schwester hieher in dieses Land:Sie haben uns euch Recken auf gute Treue hergesandt.” (1485)
Da sprach der reiche König: “Der Märe bin ich froh.Wie gehabt sich König Etzel,” der Degen fragte so,“Und Kriemhild meine Schwester in der Heunen Land?”Da sprach der Fiedelspieler: “Das mach ich gern euch bekannt. (1486)
Besser wohl gehabten sich Leute nimmermehr,Das glaubet uns in Wahrheit, als die Fürsten hehrUnd ihre Degen alle, die Freunde wie ihr Bann:Sie freuten sich der Reise, da wir schieden hindann.” (1487)
“Nun Dank ihm für die Dienste, die er mir entbot,Ihm und meiner Schwester, geliebt es also Gott,Dass sie in Freuden leben, der König und sein Bann;Fragt ich doch sehr in Sorgen um diese Märe bei euch an.” (1488)
Die beiden jungen Könige waren auch gekommen,Die hatten diese Märe jetzt erst vernommen.Geiselher der junge die Boten gerne sahAus Liebe zu der Schwester; gar minniglich sprach er da: (1489)
“Ihr Boten sollt uns Degen hier willkommen sein;Kämet ihr nur öfter geritten an den Rhein,Ihr fändet hier der Freunde, die ihr gerne möchtet sehn:Euch sollte wenig Leides in diesen Landen geschehn.” (1490)
“Mir versehn uns aller Ehren zu euch;” sprach Schwemmelein,“Ihr könnt euch nicht bedeuten mit den Worten mein,Wie Etzel euch so minniglich in sein Land entbot,Und eure edle Schwester; sie leidet keinerlei Not. (1491)
“An eure Lieb und Treue mahnt euch die KöniginUnd dass ihr stets gewogen war euer Herz und Sinn.Zuvörderst an den König sein wir hieher gesandt,Dass ihr zu reiten möget geruhn in König Etzels Land. (1492)
Dass wir euch darum bäten gar dringend er gebot.Etzel der reiche euch allen das entbot,Wenn ihr nicht kommen wolltet, eure Schwester sehn,So möcht er doch wohl wissen, was euch von ihm wär geschehn, (1493)
Dass ihr ihn also meidet und auch sein Reich und Land?Wär euch auch die Königin fremd und unbekannt,So möcht er selbst verdienen, dass ihr kämet ihn zu sehn:Wenn ihr das leisten wolltet, so wär ihm Liebes geschehn.” (1494)
Da sprach der König Gunther: “Nach der siebenten NachtWill ich euch verkünden, wes ich mich bedachtIm Rate meiner Freunde; der weilen gehet hinZu eurer Herberge und findet gute Ruh darin.” (1495)
Da sprach wieder Werbel: “Könnt es nicht geschehn,Dass wir unsre Fraue, die reiche Ute, sehn,Eh wir müden Degen frügen nach der Ruh?”Da sprach mit Rittersitten der edle Geiselher dazu: (1496)
“das soll euch niemand wehren; wollt ihr vor sie gehn,So ist auch meiner Mutter Lieb daran geschehn,Denn sie sieht euch gerne um die Schwester mein,Kriemhild die Fraue: Ihr sollt ihr willkommen sein.” (1497)
Geiselher sie brachte hin wo er Uten fand.Die sah die Boten gerne aus der Heunen Land;Sie empfing sie freundlich mit tugendreichem Mut:Da sagten ihr die Märe die Boten höfisch und gut. (1498)
“Meine Frau lässt euch entbieten,” sprach da Schwemmelein,“Dienst und stete Treue, und wenn es möchte sein,Dass sie euch öfter sähe, so glaubet sicherlich,Wohl keine andre Freude auf Erden wünschte sie sich.” (1499)
Da sprach die Königswitwe: “Leider kanns nicht sein:So gern ich öfter sähe die liebe Tochter mein,So wohnt uns doch zu ferne die edle Königin:Nun geh ihr immer selig die Zeit bei Etzeln dahin. (1500)
“Ihr sollt mich wissen lassen eh ihr zieht davon,Wann ihr reiten wollet: Ich sah nun lange schonBoten nicht so gerne als ich euch gesehn.”Da gelobten ihr die Knappen, ihr Wunsch der solle geschehn. (1501)
Zu den Herbergen gingen die von Heunenland.Der reiche König hatte zu den Freunden gesandt:Gunther der reiche fragte seinen BannWas sie darüber dächten? Wohl manche huben da an: (1502)
“Er möge fahrlos reiten in König Etzels Land.”Das rieten ihm die Besten, die er darunter fand.Hagen nur alleine, dem war es grimmig leid;Er sprach zu dem Könige: “Mit euch selber seid ihr im Streit. (1503)
Ihr habt doch nicht vergessen was ihr von uns geschehn?Wir müssen vor Kriemhilden in steter Sorge stehn:Ich schlug ihr zu Tode den Mann mit meiner Hand;Wie dürften wir wohl reiten hin in König Etzels Land?” (1504)
Da sprach der reiche König: “Meiner Schwester Zürnen schwand:Mit minniglichem Kusse, eh sie verließ dies Land,Hat sie uns verziehen was wir an ihr getan:Es wäre denn sie stände bei euch, Herr Hagen, noch an.” (1505)
“Nun lasst euch nicht betrügen, was sie auch sagen,Diese Heunenboten: Wollt ihrs mit Kriemhild wagen,Da verliert ihr zu der Ehre Leben leicht und Leib;Sie weiß wohl nachzutragen, des Königs Etzel Weib.” (1506)
Da sprach zu dem Rate der Degen Gerenot:“Ihr mögt aus guten Gründen fürchten dort den TodIn den heunischen Reichen: Ständen wir drum anUnd mieden unsre Schwester, das wär gar übel getan.” (1507)
Da hub der junge Geiselher zu dem Degen an:“Wisst ihr euch schuldig, Hagen, dass ihr ihr Leid getan,So bleibet hier im Lande euer Heil zu wahren;Nur lasst, die sichs getrauen, mit uns zu meiner Schwester fahren.” (1508)
Darob begann zu zürnen von Tronje der Degen:“Ich will nicht dass euch jemand begleitet auf den Wegen,Der sich mehr getraue zu dieser Fahrt als ich:Wollt ihrs nicht bleiben lassen, so schaut ihr das sicherlich.” (1509)
Da sprach der Küchenmeister Rumolt der Degen:“Der Heimischen und Fremden mögt ihr zu Hause pflegenNach euerm Wohlgefallen: Da habt ihr volle Macht:Euch hat doch, dünkt mich, niemand dahin zu Pfande gebracht. (1510)
Wollt ihr nicht Hagen folgen, so rät euch Rumolt,Weil ich euch in Treue gewogen bin und hold,Dass ihr im Lande bleibet nach dem Willen meinUnd lasst den König Etzel nur dort bei Kriemhilden sein. (1511)
Wo könntet ihr auf Erden so gut als hier gedeihn?Ihr mögt vor euern Feinden hier wohl geborgen sein,Ihr könnt mit guten Kleidern zieren euern Leib,Des besten Weines trinken und minnen manches schöne Weib. (1512)
Dazu gibt man euch Speise, so gut sie je gewannEin König auf der Erde. Liegt euch das nicht an,So mögt ihr hier verbleiben um euer schönes Weib,Eh ihr so unbesonnen verwaget Leben und Leib. (1513)
Drum rat ich euch zu bleiben: Reich ist euer Land:Ihr könnt hier besser lösen was ihr gabt zu PfandAls dort bei den Heunen: Wer weiß, wie es da steht?Verbleibt bei uns, Herr König, das ist was Rumolt euch rät.” (1514)
“Wir wollen nun nicht bleiben,” sprach da Gernot,“Da uns meine Schwester so Freundliches entbotUnd Etzel der reiche, was sollten wir nicht gehn?Die nicht mit uns wollen, die mögen daheim bestehn.” (1515)
Zur Antwort sprach da Hagen: “Lasst euch zum VerdrussMeine Rede nicht gereichen: Was auch geschehn muss,Das rat ich euch in Treuen, wenn ihr euch gern bewahrt,Dass ihr nur wohl gerüstet zu dem Heunenlande fahrt. (1516)
“Wenn ihrs euch unterwindet, so entbietet euern Bann,Die Besten, die ihr findet und die euch untertan;Daraus will ich erwählen tausend Ritter gut:So mag euch nicht gefährden der argen Kriemhilde Mut.” (1517)
“Dem Rate will ich folgen,” sprach der König gleich.Da sandt er seine Boten umher in seinem Reich;Bald brachte man der Helden dreitausend oder mehr;Sie dachten nicht zu finden so großes Leid und Beschwer. (1518)
Sie ritten wohl gemutet in König Gunthers Land:Da gab man ihnen allen Ross und auch Gewand,Die da räumen sollten der Burgonden Land.Der König reiselustig manchen werten Ritter fand. (1519)
Da ließ von Tronje Hagen Dankwart den Bruder seinAchtzig ihrer Recken führen an den Rhein.Sie kamen stolz gezogen, Harnisch und GewandBrachten die Schnellen König Gunthern in das Land. (1520)
Da kam der kühne Volker, der edle Fiedelmann,Mit dreißig seiner Degen zu der Fahrt heran;Ihr Gewand war herrlich, ein König mocht es tragen:Er wollte zu den Heunen, das ließ der König Gunthern sagen. (1521)
Wer Volker sei gewesen, das sei euch kund getan:Es war ein edler Herre, ihm waren untertanViel der guten Recken in Burgondenland;Weil er fiedeln konnte war er der Spielmann genannt. (1522)
Hagen wählte tausend, die waren ihm bekannt;Was sie in starken Stürmen gefrommt mit ihrer HandUnd sonst begangen hatten, das hatt er oft gesehn:Es konnte niemand anders als ihnen Ehre zugestehn. (1523)
Die Boten Kriemhildens der Aufenthalt verdross.Die Furcht vor ihrem Herren war gewaltig groß:Sie hielten alle Tage um den Urlaub an;Den missgönnt' ihnen Hagen: Das war aus Arglist getan. (1524)
Er sprach zu seinem Herren: “Wir wollen uns bewahren,Dass wir sie reiten lassen bevor wir selber fahrenSieben Tage später in König Etzels Land:Trägt man uns argen Willen, so wird es besser abgewandt. (1525)
So mag sich auch Kriemhilde bereiten nicht dazu,Dass uns nach ihrem Rate jemand Schaden tu;Will sie es doch versuchen, so kommt sie übel an:Wir führen zu den Heunen so manchen auserwählten Mann.” (1526)
Die Sättel und die Schilde und all ihr Rüstgewand,Das sie führen wollten in König Etzels Land,War nun wohlbereitet für manchen kühnen Mann.Die Boten Kriemhildens lud man zu Gunthern heran. (1527)
Als die Boten kamen, sprach Degen Gernot:“Der König will leisten was Etzel uns entbot.Wir wollen gerne kommen zu seiner LustbarkeitUnd unsre Schwester sehen: Dass ihr des außer Zweifel seid.” (1528)
Da sprach König Gunther: “Wisst ihr uns zu sagenWann das Fest beginne? Oder zu welchen TagenWir erwartet werden?” Da sprach Schwemmelein:“Zur nächsten Sonnenwende, da soll es in Wahrheit sein.” (1529)
Der König erlaubte, das war noch nicht geschehn,Wenn sie Frau Brunhilden wünschten noch zu sehn,Dass sie mit seinem Willen sprächen bei ihr an.Dem widerstrebte Volker: Da war ihr Liebes getan. (1530)
“Es ist meine Grau Brunhilde nun nicht so wohlgemut,Dass ihr sie schauen könntet,” sprach der Ritter gut,“Wartet bis Morgen, so lässt man sie euch sehn.”Sie wähnten sie zu schauen, da konnt es doch nicht geschehn. (1531)
Da ließ der reiche König, er war den Boten hold,In seiner hohen Milde von seinem roten GoldAuf breiten Schilden bringen: Wohl war er reich daran;Auch boten seine Freunde ihnen große Gaben an. (1532)
Geiselher und Gernot, Gere und Ortewein,Wie sie milde waren, das leuchtete wohl ein:So reiche Gaben boten sie den Boten an,Dass sie's vor ihrem Herren nicht getrauten zu empfahn. (1533)
Da sprach zu dem Könige der Bote Schwemmelein:“Herr König, lasst die Gaben nur hier im Lande sein.Wir könnens nicht verführen, weil uns der Herr verbot,Dass wir Geschenke nähmen: Auch tut es uns wenig Not.” (1534)
Da ward der Vogt vom Rheine darüber ungemut,Dass sie verschmähen wollten so reichen Königs Gut.Da mussten sie empfahen sein Gold und sein GewandUnd es mit sich führen heim in König Etzels Land. (1535)
Sie wollten Ute schauen vor ihrer WiederkehrDie Spielleute brachte der junge GeiselherZu Uten seiner Mutter; sie entbot der Königin,Wenn man ihr Ehre biete, es sei ihr hoher Gewinn. (1536)
Da ließ die Königswitwe ihre Borten und ihr GoldVerteilen um Kriemhildens, denn der war sie hold,Und König Etzels Willen an das Botenpaar.Sie mochtens wohl empfahn: Getreulich bot sie es dar. (1537)
Nun hatten sich beurlaubt die beiden Boten gutVon Männern und von Frauen. Sie fuhren wohlgemutBis zum Schwabenlande: Dahin ließ GerenotSeine Degen sie begleiten, dass sie nirgend litten Not. (1538)
Als die von ihnen schieden, die sie sollten pflegen,Gab ihnen Etzels Herrschaft Frieden auf den Wegen,Dass ihnen niemand raubte ihr Ross noch ihr Gewand:Sie ritten sehr in eile heim in König Etzels Land. (1539)
Wo sie Freunde fanden, da machten sie es kund,In wenig Tagen kämen die Helden von BurgundVom Rheine hergezogen in der Heunen Land:Pilgerin dem Bischof ward auch die Märe bekannt. (1540)
Als sie vor Bechlaren die Straße niederzogen,Da ward auch um die Märe Rüdger nicht betrogen,Noch Frau Gotelinde, die Markgräfin hehr:Dass sie sie schauen sollte, des freute diese sich sehr. (1541)
Die Spielleute spornten die Rosse mächtig an.Sie fanden König Etzeln in seiner Stadt zu Gran.Grüße über Grüße, die man ihm her entbot,Brachten sie dem Könige: Vor Liebe ward er freudenrot. (1542)
Als da Kriemhilden die Märe ward bekannt,Dass ihre Brüder wollten kommen in ihr Land,Da ward ihr wohl zu Mute: Sie gab den Boten LohnMit reichlichen Geschenken; sie hatte Ehre davon. (1543)
Sie sprach: “Nun sagt mir beide, Werbel und Schwemmelein,Wer will von meinen Freunden bei dem Hofgelage sein,Von den Besten, die wir luden hieher in dieses Land?Sagt, was sprach Hagen, als ihm die Märe ward bekannt?” (1544)
“Er kam zu ihrem Rate an einem Morgen fruh;Wenig gute Sprüche redet' er dazu,Als sie die Fahrt beschlossen nach dem Heunenland:Die hat der grimme Hagen die Todesreise genannt. (1545)
Es kommen eure Brüder, die Könge alle dreiIn herrlichem Mute. Wer mehr mit ihnen sei,Darüber ich des weitern euch nicht bescheiden kann;Es will mit ihnen kommen Volker auch, der Fiedelmann.” (1546)
“Des mag ich leicht entbehren,” sprach die Königin,“Will der Degen Volker zum dem Hofgelage ziehn;Hagen bin ich gewogen, der ist ein Degen gut:Dass wir ihn schauen sollen, des hab ich fröhlichen Mut.” (1547)
Hin ging die Königstochter wo sie den König sah.Wie sprach mit holden Worten Frau Kriemhilde da:“Wie gefallen euch die Mären, viel lieber Herre mein?Wes mich je verlangte, das soll nun bald vollendet sein.” (1548)
“Dein Will ist meine Freude:”, der König sprach da so,“Ich wär der eignen Freunde nicht so von Herzen froh,Wenn sie kommen sollten hieher in unser Land:Durch deiner Freunde Liebe viel meiner Sorge verschwand.” (1549)
Des Königs Amtleute befahlen überallMit Sitzen zu erfüllen Pallas und SaalFür die lieben Gäste, die da sollten kommen.Durch die ward bald dem König die hohe Freude benommen. (1550)
25. Abenteuer